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Jugendstilvilla, Karlsruhe

Ort Karlsruhe, Richard-Wagner-Straße
Projektleitung H. Baurmann
Bearbeiter J. Lindenmann | A. Falk
Bauleitung H. Baurmann
Planung 2000 - 2001
Realisierung 2001
Fotos S. Baumann | bild_raum
Nutzfläche 485 m2 
BRI 2.400 m3 
Leistungsphasen 1 - 8
Publikationen Das Umbau-Buch, S. 51, DVA München 2006
Althaus modernisieren Nr. 10/03, S. 28, Fellbach 2003

Das Jugendstilhaus in bevorzugter Wohnlage von Karlsruhe entsprach weder in der Raumaufteilung noch in den technischen Gegebenheiten dem Lebensrythmus einer jungen Familie und sollte deshalb behutsam dem heutigen Wohnstandard angepasst werden.

Da das Objekt unter Denkmalschutz steht, waren die umfangreichen Änderungswünsche der Bauherrschaft in vielen Gesprächen mit Stadt und Denkmalbehörde genau abzustimmen. Schließlich wurde eine Einigung dahingehend erzielt, daß die Straßen- und Platzfassaden unverändert zu erhalten bzw. wiederherzustellen waren, während zum Hof, im Innern und im Dachbereich unter Wahrung der architektonischen Qualität weitreichende Änderungen genehmigt wurden.

Die Eingriffe betrafen mehrere Bereiche: zum einen wurde der ursprünglich ganz auf Repräsentation ausgerichtete Grundriß so umgestaltet, daß nunmehr die Raumbelichtung die Nutzung der einzelnen Räume bestimmt, was statisch umfangreiche Eingriffe in die Substanz des Hauses nach sich zog; zum zweiten wurde der Baukörper nach Süden hin über zwei Geschosse vollständig geöffnet. Desweiteren wurde der bisher ungenutzte Dachboden ausgebaut und ein Teil des Daches in der zweiten Mansardebene als Dachterrasse geöffnet.

Das Haus ist aus seinen Nutzungen heraus klar gegliedert: im Erdgeschoß findet neben dem großzügigen Entree eine Praxis Platz, die separat vom Hof aus erschlossen wird und jederzeit als Einliegerwohnung umgenutzt oder der Hauptwohnung zugeschlagen werden kann. Das erste Obergeschoß, die Belle Etage, nimmt die wichtigsten Wohnbereiche auf: Küche mit Essplatz und Nebenräumen, Speisezimmer, den Wohnraum mit Balkon und eine Bibliothek. Darüber befinden sich, bereits im Mansardbereich des zeltförmigen Daches, die Privaträume: zwei Kinderzimmer mit Bad, das Elternschlafzimmer, die Ankleide und das Elternbad. Über eine neu eingefügte Treppe gelangt man in den ausgebauten Dachraum, der neben dem Zugang zur Terrasse den Arbeitsbereich der Hausherrin aufnimmt. Von hier aus haben die Bewohner einen herrlichen Blick über den unmittelbar angrenzenden Wagnerplatz zu den Ausläufern des Schwarzwalds.

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde das Gebäude vollständig entkernt und in seinen Rohbauzustand zurückversetzt. Soweit möglich, wurden Originalteile aus der Erbauungszeit des Hauses gehalten, repariert oder, so bei den Türen oder den Holzböden, aus einem Materialfundus ähnlicher Objekte ergänzt. Dadurch konnte der Charme des Hauses erhalten werden.

Die Komplexität des Eingriffs ließ es nicht zu, das Neue durchgängig vom Alten zu trennen; so wurden alte Fenster mit Dichtungen und neuen Scheiben versehen, aber, in Ermangelung originaler Substanz, auch durch neue, den alten Fenstern nachgebaute ergänzt; alte Gauben mussten aufgrund verrotteter Balken komplett abgetragen und, in ihren Proportionen behutsam korrigiert, wieder neu hergestellt werden; der Deckenstuck musste den veränderten Raumzuschnitten angepasst, zerstörte Türzargen ersetzt, fehlende Treppenhandläufe ergänzt werden.

Dagegen stehen die konsequent moderne Gestaltung der großen Glasfassade im Süden, der rohe Asphaltboden in den Arbeitsbereichen, die modernen Bäder, die sich jeder nostalgischen Attitüde entziehen und gerade dadurch authentisch wirken. Es gibt nur ein Prinzip, dem sich jede Einzelentscheidung unterzuordnen hatte: das der Angemessenheit.

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