Transformation Ev. Oberkirchenrat, Karlsruhe

Platz schaffen, Mauern überwinden
Vom Dienstgebäude zum offenen Haus

Das Dienstgebäude des EOK, das sogenannte Rote Haus, ist ein sonderbares Gebäude. Obwohl es mit seinen Jugendstilfassaden sehr auffällig und imposant wirkt, wird es doch wenig wahrgenommen in der Stadt. Das hat zum einen mit seiner „Sandwichlage" zu tun. Von der Kriegsstraße aus gesehen liegt es hinter dem Bundesgerichtshof von der Kaiser- oder Erbprinzenstraße aus hinter der Landesbibliothek. Zum anderen ist die Verortung des Haupteingangs in der Blumenstraße aus heutiger Sicht städtebaulich fragwürdig. Ein so großes Gebäude von einer engen Seitenstraße zu erschließen ist mehr als unglücklich. Da hilft auch das Abrücken der Fassade von der Straßenflucht kaum, wenn eine hüfthohe Einfriedung den öffentlichen Raum wieder einengt. In den Zeiten seiner Entstehung mögen diese Mauern als Einfriedung Sinn gemacht haben, als Abtrennung zum ehemals markgräflichen Garten oder zum Straßenraum von damals ohne Gegenüber. In der heutigen Zeit wirken sie abweisend. Ein weiteres großes Problem ist das höher liegende Erdgeschoss. Das schafft zusätzlich Distanz zum öffentlichen Raum.

Aus unserer Sicht müssen deshalb zwei Maßnahmen ergriffen werden, damit das Gebäude in der Stadt wieder wahrgenommen wird und sich öffnen kann. Der Haupteingang muss in die Ritterstraße verlegt werden und die Mauern müssen fallen. Nicht in dem Sinn, dass sie abgebrochen werden, sondern der Raum zwischen Sockel und Mauer soll verfüllt werden. Eine Terrassenfläche entsteht für die dahinter liegende Cafeteria. Sie schafft eine vermittelnde Ebene zwischen öffentlichem Raum und höher gelegenem Erdgeschoss, Raum für Öffnung und Sichtbarkeit in Fußgängerebene.

Die Verlegung des Haupteingangs an die Ritterstraße und die Schaffung von Terrassen verbessert zwar die Anbindung an den öffentlichen Raum, ist aber noch nicht die angestrebte städtebauliche Lösung. Es bedarf noch eines Platzes, der das Gebäude gebührend in Szene setzt, der ihm Raum gibt, um in der Stadt sichtbar zu werden. Wir sehen hier einen Platz, der sich über die Ritterstraße legt und die Verbindung in den Nymphengarten herstellt. Auf dem Weg in die Innenstadt in Richtung Kaiserstraße oder auf dem Weg zurück aus der Innenstadt in Richtung Kriegsstraße muss der Platz spürbar werden durch einen Belagswechsel, durch Sitzgelegenheiten. Man hebt damit zwei schlafende städtische Potentiale, den Nymphengarten als Park in der Stadt und das neue offene Haus des EOK als städtisches christliches Forum.

Das Forum liegt im Innenhof angehoben auf die Erdgeschossebene als neues Herzstück des Hauses leicht erreichbar über den neuen Haupteingang in der Ritterstraße. Wie eine Art schützender Baldachin steht das neue Dach frei im Hof und formt durch seine eng stehenden Stützen einen gerichteten Raum. Die unruhige Fassade mit dem Vorsprung des repräsentativen Treppenhauses wird durch eine Filterschicht aus Holz- und Stahllamellen begradigt. Der Rücksprung neben dem Treppenhaus hinter der Schicht wird durch Balkone gefüllt. Der Innenraum bekommt dadurch eine klare Form. Die Verbindung zur Cafeteria wird durch einen grünen Seitenhof mit großem Baum eingeleitet. Sie liegt an der Ritterstraße und öffnet sich über die Terrassen zum neuen Platz und ist das Bindeglied zwischen öffentlichem Stadtraum und Forum.

Das Haus ist grundsätzlich im Erdgeschoss offen. Alle Eingänge, also auch die Nebeneingänge im Hof und in der Blumenstraße führen zum Forum oder zur Cafeteria. Zur Ritterstraße liegen die öffentlichen Funktionen mit Haupteingang, Cafeteria und einer externen Mieteinheit für kirchennahe Einrichtungen als Frequenzbringer. Dahinter liegt das Forum. Die Obergeschosse werden über die 4 neuen durchgehenden Kerne erschlossen. An jedem liegen zwei Einheiten pro Geschoss, was zu insgesamt bis zu 8 Einheiten zwischen 45 und 330 m² führt. Damit ist grundsätzlich eine äußerst flexible Nutzung möglich. Durch die Vorgaben in der Auslobung, dass 300 Arbeitsplätze mit den entsprechenden Nebenflächen für das EOK vorzusehen sind, haben wir uns für folgende klare Aufteilung entschieden. Die Einheiten im EG, 1.OG, 2.OG und DG, die um das Forum liegen, werden vom EOK genutzt. Das ermöglicht eine übersichtliche Erschließung in einem Umlauf pro Geschoss. Die Einheiten im nordwestlichen Annex können extern vermietet werden mit einer eigenen Adresse in der Blumenstraße. Zusätzlich kann das 3. Obergeschoss vollständig extern vermietet werden im Gesamten oder eben in 7 Einheiten. Die Kapelle kann separat über das ehemalige Haupttreppenhaus erschlossen werden oder über den im Nordosten neu eingeführten Erschließungskern. Über der Kapelle liegt die gewünschte Dachterrasse. Ihr zugeordnet ist der große Besprechungsbereich.

Die Außenanlagen im Hof sollen grundsätzlich grüner werden. Dabei soll die orthogonale Struktur des Künstlers beibehalten, aber um Baumpflanzungen ergänzt werden. Auch die Reihe der Stellplätze entlang der Mauer zum BGH sollten mit Bäumen aufgelockert werden, soweit das mit dem Sicherheitskonzept vereinbar ist.

Ein weiterer wichtiger Baustein neben den schon oben ausgeführten, um das Gebäude in der Stadt sichtbarer zu machen und um es in eine neue Zeit zu führen, ist der Rückbau der Aufstockung aus den 50er Jahren und deren Neuformulierung als Holzbau. Dabei sollen alle Sandsteinfassaden erhalten bleiben, formal ein gläsernes Zwischengeschoss als Fuge eingeführt werden und darüber der Dachabschluss folgen. Dabei ist das Dach eher eine offene Struktur, die sich in der Schrägansicht zu einer Dachform verdichtet. Die Struktur besteht aus schräg geformten Metalllamellen, die vereinfacht und abstrakt an die Form eines Mansarddaches erinnern soll, auch wenn das eigentlich kein typisches Jugendstilelement ist, aber durchaus auch in der Zeit als historisches Element des Barocks und aus praktischen Gründen Verwendung fand. Die Lamellen könnten aus vorpatiniertem Kupferblech bestehen oder auch einfach grün eingefärbt sein und dabei an die Kupferdeckung alter Jugendstilgebäude erinnern. Die flach geneigte Fläche des Daches soll dabei komplett mit Photovoltaikelementen belegt werden.

Das letzte Element, um das neue Haus im Stadtbild präsenter zu machen, könnte eine gläserne Laterne sein mit dem Logo des EOK als Abschluss des vorgestellten Aufzugs im Hof. Abends könnte für eine bestimmte Zeit eine Farbe aus dem Kirchenjahr leuchten und so die christliche Botschaft sichtbar machen.

Insgesamt soll nur wenig im denkmalgeschützten Bestand verändert werden, bis auf die wenigen beschrieben Eingriffe.

Art

Ideenwettbewerb, 2026

Ort

Karlsruhe, Blumenstraße 1-7

Auslober

Evang. Oberkirchenrat, Karlsruhe

Bearbeitung

M. Dürr | H. Baurmann | K. Zahorszky | C. Süßmann | P. Holtmann | N. Münzer I P. Baur I M. Kuner

Visualisierung

loomn Architekturkommunikation

Modellbau

W. Eichenlaub

Platzierung

1. Preis

Publikationen

BNN 07.05.2026
competitionline 18.05.2026