Ganztagesgrundschule, Rheinstetten

DREI HÄUSER – ZWEI HALLEN - EINE SCHULE
Revitalisierung durch Rück- und Neubau
Das Bestandsschulgelände ist geprägt von den zwei historisierenden Schulbauten, dem Hebel-Schulhaus und der Pestalozzischule. Durch Um- und Anbauten im Lauf der Jahre wurden sowohl die Gebäude als auch das Schulgelände in Mitleidenschaft gezogen und die stadträumliche Situation unübersichtlich. Unsere Entwurfsansatz ist die Revitalisierung der beiden alten Schulhäuser und der Sporthalle durch den gezielten Rückbau störender Bausubstanz und der präzisen Setzung eines Neubaus und zweier Anbauten. Dabei nehmen sich die Neubauten mit ihren strukturell konstruktiven Holzfassaden gestalterisch zurück, um den restaurierten historischen Bestand die Bühne zu überlassen. Dieser Ansatz ist per se ressourcenschonend, denn was nicht abgebrochen wird, muss auch nicht wiederaufgebaut werden. Er ist gleichzeitig identitätsstiftend, weil historisch Bedeutsames erhalten bleibt.
Der Verbindungsbau und die historischen Nachbarn
Der Neubau wird als Verbindungsbau zwischen das Hebel-Schulhaus und die Pestalozzischule gesetzt. Städtebaulich nimmt der längs gerichtete Baukörper die Flucht des repräsentativen Nachbargebäudes auf und schließt die Lücke in der Viktoriastraße. Dahinter entsteht ein geschützter Hofraum, der sich bestens für den Außenbereich der Grundschule eignet. In diesem Hofraum befindet sich auch die alte Sporthalle. Sie wird im Kern erhalten und um eine Einfeldsporthalle mit allen erforderlichen Nebenräumen ergänzt.
Der zentrale Verbindungsbau sorgt mit nur einem Aufzug für die barrierefreie Erschließung der gesamten Schulanlage. Im Erdgeschoss liegen die gemeinschaftlichen Einrichtungen mit Aula, Mensa und dem barrierefreie Hauptzugang an der öffentlichsten Stelle, der Grundstücksecke. Daneben werden die beiden Zugänge zu den historischen Schulgebäuden revitalisiert, um jedem Gebäude in der Anlage eine Adresse im dörflichen Umfeld zu geben. Die Schulanlage wird nicht als große Institution wahrgenommen, sondern kleinteiliger als drei einzelne Häuser im Dorf. Vor allem die Wiederherstellung des historischen Zugangs der Pestalozzischule von der Viktoriastraße ist städtebaulich und gestalterisch eine identitätsstiftende Maßnahme.
Die alte und die neue Halle
Die alte Sporthalle ist in ihrer Struktur als Grundschulsporthalle sehr gut zu nutzen und sitzt so selbstverständlich auf dem Grundstück, dass sie trotz der etwas kleineren Abmessungen erhaltenswert ist. Ergänzt wird sie um eine „eingegrabene" Einfeldsporthalle, deren Boden unterhalb des Pausenhofs liegt. Damit verschwindet ein großer Teil der Masse der Halle und deren Nebenräume im Gelände. Es bleibt ein eingeschossiger Bau, der zu den Nachbarn die Abstandflächen einhält und den Schulhof an dieser Stelle begrenzt.
Die fliegenden Klassenzimmer
Die Errichtung des Neubaus in modulare Holzbauweise trägt dem Wunsch nach höherer Nachhaltigkeit in der Erstellung öffentlicher Bauten Rechnung. Dies Bauweise ermöglicht energieeffizientes Bauen und die Speicherung großer Mengen CO2. Dem Bau der Module geht eine umfassende und detaillierte Planung voraus. Die Module werden im Werk vorgefertigt, auf die Baustelle geliefert und verbaut. Der Baustellenlärm wird deutlich reduziert und die Bauzeit verkürzt sich, was bei einer Bauabschnittsbildung von großem Vorteil ist. Der komplette Baukörper ist in wenigen Tagen aufgestellt und wetterfest. Die Raummodule aus Holz strahlen eine hohe Behaglichkeit und Aufenthaltsqualität aus, ideal für eine Grundschule. Die guten Dämmeigenschaften von Holzwerkstoffen wirken sich positiv auf die Betriebskosten aus. Eine nachhaltige Energieversorgung der neuen Ganztagesschule wird durch Photovoltaikanlagen auf den Flachdächern unterstützt.
Der Rucksack
Der zweite Bauabschnitt wird als Rucksack an das bestehende Hebel-Schulhaus angebaut, auch in der modularen Holzbauweise mit allen schon beschriebenen Vorteilen. Bereits im ersten Bauabschnitt werden die Zugänge im Flur angelegt. Nach der Fertigstellung des Anbaus müssen die Zugänge dann nur noch geöffnet werden. Aus dem Einbund wird ein wirtschaftlicher Zweibund.
Der Schulhof
Durch das Schließen der baulichen Lücke in der Viktoriastraße entsteht ein geschützter Hofraum, mit nur zwei Zugängen, der sehr gut als Schulhof genutzt werden kann. Alle Bäume
bleiben bei der Baumaßnahme erhalten. Entlang der Längsseite der Sporthallen ist eine Arkade vorgebaut, die als überdeckter Pausenraum genutzt werden kann. Vor der Mensa können Sitzmöglichkeiten angeboten werden, um in den warmen Jahreszeiten auch draußen zu essen. Die Fahrräder werden am Rand des Pausenhof entlang der Grenzmauer abgestellt.
Der Straßenraum
Der Straßenraum wird mit Bäumen bepflanzt. Sie dienen im Sommer als Sonnenschutz für die Schulfassaden und verschatten die Parkplätze, die entlang der Straßen angeordnet werden. Vor dem barrierefreien Haupteingang soll ein Eingangsplatz entstehen.

Art

Realisierungswettbewerb, 2023

Ort

Rheinstetten-Mörsch

Auslober

Stadt Rheinstetten

Bearbeitung

M. Dürr | H. Baurmann | D. Lahr | C. Süßmann

Visualisierung

C. Süßmann

Modellbau

W. Eichenlaub

Publikationen

competitionline 23.03.2023